Die etwas andere Hilfe

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Erzählt von Klaus Gollnick, August 2016

Wenn ein Kind in einer Familie mit mehreren Geschwistern mit einem CI versorgt wird, bereitet man die Geschwister dieses frischen CI Trägers normalerweise vorsichtig auf die neue Situation vor, damit es keine Scheu oder Berührungsängste gibt, wenn der Bruder oder die Schwester pötzlich mit solch einem sichtbaren Gerät am Kopf herumläuft, das Sprachprozessor genannt wird. Aber manchmal kommt es anders und auch dann ist unsere Hilfe gefragt, aber eben anders, wie die folgende Geschichte zeigt.

Chyngyz aus der kirgisischen Hauptstadt Bischkek ist eines von mittlerweile 9 glücklichen kirgisischen Kindern, die mit Hilfe der Prof. Ernst Lehnhardt Stifung ein CI System bekommen konnte. Der kleine Chyngyz ist im Mai 2 Jahre alt geworden, hat eine Zwillingsschwester Jyldyz und einen 3 Jahre älteren Bruder Alihan, beide glücklicherweise ohne Hörprobleme. Nach der erfolgreichen Operation, die der russische Spezialist Prof. Vladimir Fedoseev aus Moskau im Mai an Chyngyz‘ zweitem Geburtstag durchführte, sahen die Geschwister hinterher ihren Bruder mit einem großen Kopfverband herumlaufen und ich bin sicher, keiner wollte in dieser Situation mit ihm tauschen.

Als aber 4 Wochen später der Sprachprozessor angepaßt wurde und Chyngyz diesen stolz überall zeigen konnte, war das Interesse der beiden Geschwister unerwartet groß. Alihan zweifelte plötzlich an seinem Hörvermögen und versuchte seine Mutter zu überzeugen, dass er möglicherweise auch solch ein Gerät benötigte.Bei Jyldyz aber entwickelte sich eine sehr rege Aktivität, ihrem Zwillingsbruder den Sprachprozessor unter allen Umständen abspenstig zu machen. Das fand Chyngyz nach anfänglichem Stolz über die Aufmerksamkeit schließlich nicht mehr lustig, und als seine Mutter Nadira mir von Jyldyz Hartnäckigkeit berichtete, versprach ich, wir würden nach einer Lösung zu suchen.

Bei der deutschen Niederlassung der Firma Cochlear in Hannover fand ich die erhoffte Unterstützung . Man erklärte sich bereit, ein Stofftier für Jyldyz zur Verfügung zu stellen. Das hörte sich gut an. Aber es war nicht irgendein Stofftier, sondern ein Koalabär, der beidseitig mit einem abnehmbaren Sprachprozessor ‚versorgt‘ war. Über diese Lösung war ich sehr froh, wobei ich vor Freude vergaß, nach der Größe des plüschigen CI Trägers zu fragen. Ich bat, den Bären an Frau Dr. Lehnhardt zu schicken, denn die würde, welch glücklicher Umstand, in Kürze nach Bischkek fliegen, um dort an weiteren 4 Operationen teilzunehmen und die sich langsam entwickelnde Elternschaft von CI versorgten Kindern mit Rat und Tat zu unterstützen.

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Frau Dr. Lehnhardt erklärte sich natürlich sofort bereit, den Koalabären mit auf die Reise zu nehmen, wies mich aber daruf hin, dass er im Koffer keinen Platz finden würde. Dafür sei er zu groß. Oh, wie groß denn? Nun, er sei gut im Arm zu tragen! Ach so!
Somit begab sich die Präsidentin der Prof. Ernst Lehnhardt Stiftung auf die Reise mit ihrem zotteligen Begleiter im Arm, der auf den beiden Flugabschnitten im Flugzeug auf dem Sitz neben ihr Platz nehmen durfte, das Ambiente in der Lounge beim Stopover in Istanbul sichtlich genoß und gut gelaunt in Bischkek aus dem Flugzeug getragen wurde.

Als dann Nadira, der Mutter der drei Geschwister, der Reisebegleiter übergeben wurde und Jyldyz ihren neuen Freund in die Arme schließen konnte, begann für den Koalabären seine Rolle als Mediator. Jetzt war für Jyldyz der Sprachprozessor ihres Bruders nicht mehr so interessant und dank der beiden abnehmbaren Sprachprozessoren, die der Koala mitgebracht hatte, konnte nun jedes der drei Kinder seinen eigenen Sprachprozessor tragen.

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Die Welt war wieder im Gleichgewicht

[:de]Bei Dastan ist alles gut![:ru]У Дастана все хорошо[:en]Bei Dastan ist alles gut![:]

[:de]IMG_2369Uns schreibt die Mutter von Dastan, Oksana Munzhurova:

Hallo Liebe Frau Dr. Monika Lehnhardt-Goriany, bei uns ist alles in Ordnung, dank Ihnen und Ihrem Team, machen wir bereits gute Fortschritte. Wir besuchen eine Logopädin, obwohl Albina diesbezüglich etwas Geduld empfohlen hat. Aber wir haben uns trotzdem entschieden damit anzufangen, um alles richtig und stufenweise zu üben. Ich werde Ihnen bald ein Video senden, damit Sie unsere Erfolge sehen können. Ich bin sehr erfreut, dass wir eine einmalige Gelegenheit dazu hatten alle Antworten bezüglich CI von verschiedenen Experten auf diesem Gebiet zu erhalten.

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[:de]Der Weg zur ersten Anpassung bei Chyngyz und Dastan in Bischkek.[:ru]Первая настройка для Чингиза и Дастана в Бишкеке[:en]Der Weg zur ersten Anpassung bei Chyngyz und Dastan in Bischkek.[:]

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Dastan und Chyngyz verbindet ein besonderes Schicksal:: Beide Jungen leben in Bischkek (Kirgisistan), wo es kein staatliches Programm zur Finanzierung von Cochlea-Implantationen gibt. In ihrem Leben spielt das aber eine große Rolle, denn bei beiden wurde bilaterale neurosensorische Schwerhörigkeit diagnostiziert.. Und die einzige Möglichkeit, ihnen das Hören zu ermöglichen, war ein Cochlea-Implantat. Nur das Geld dafür hatten die Eltern nicht.

Die Prof. Ernst Lehnhardt Stiftung stand den Familien zur Seite und mit großzügiger Unterstützung der deutschen Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ konnte die notwendige Summe aufgebracht werden. Frau Dr. Lehnhardt organisierte für beide Kinder in Bischkek die Operationen, die am 24. Mai 2016 von Prof. Vladimir Fedoseev durchgeführt wurde, einem anerkannter Spezialisten für derartige Operationen, der extra aus Moskau eingeflogen wurde.

Beide Operationen verliefen überaus erfolgreich.

Für den nächsten Tag war ein Treffen mit weiteren betroffenen Eltern vorgesehen sowie ein paar erneute  Anpassungen bei Kindern, welchen die Stiftung schon früher zu einem CI verholfen hatte. Außerdem wurden in dieser Veranstaltung am 25. Mai Fragen besprochen, die für den Alltag nach einer Cochlea-Implantation wichtig sind. An dem Treffen nahmen auch der Cochlear Osteuropa-Manager Alexander Degtyarev teil sowie der Chirurg und Audiologe Dr.Vigen Bakhshinyan, der für die Anpassungen verantwortlich ist.

Vier Wochen nach den gelungenen Operationen, am 27. Juni  2016, nahm daher Dr Bakhshinyan an Chyngyz und Dastan die erste Anpassung vor.. Das war für alle Beteiligten ein wichtiger Tag und die Freude bei den Eltern war sehr groß, als sie die positive Resonanz ihrer Kinder bei dieser Anpassung erlebten.

Die glücklichen Eltern haben uns danach Bilder und Danksagungen zugeschickt, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.

Wir hoffen, dass sowohl die Eltern als auch die Jungen Freunde werden, um gemeinsam eine neue Welt der Klänge zu erkunden.

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[:ru]IMG_3823У Чингиза и Дастана много общего: оба мальчика живут в Бишкеке (Киргизстан), где нет государственной программы по финансированию кохлеарной имплантации. В их жизни это сыграло большую роль, так как у обоих была диагностирована двустороння нейросенсорная тугоухость и, единственной возможностью слышать, было проведение кохлеарной имплантации. Денег на нее у родителей не было.

Фонд им. Эрнста Ленхардта не остался в стороне и помог собрать при помощи немецкой благотворительной организации „Сердце для детей“ необходимую сумму на кохлеарную систему. Моника Ленхардт организовала операции для мальчиков в Бишкеке, а также встречу с другими родителями и последующие настройки для деток, носителей КИ, которым фонд помог ранее. На мероприятии, которое состоялось 25 мая обсуждались вопросы, которые важны для повседневной жизни после кохлеарной имплантации. На встрече присутствовала и команда Cochlear (менеджер региона восточной Европы Александр Дегтярев и аудиолог Виген Бахшинян), а операции днем ранее провел хирург из Москвы проф. Феодосеев, который специально прилетел в Бишкек.

В один день у Чингиза с Дастаном была не только имплантация, но и подключение речевых процессоров. Счастливые родители прислали нам фотографии и слова благодарности. Мы надеемся, что и родители, и мальчики станут друзьями, чтобы совместно исследовать новый для них мир звуков.

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Dastan und Chyngyz verbindet ein besonderes Schicksal:: Beide Jungen leben in Bischkek (Kirgisistan), wo es kein staatliches Programm zur Finanzierung von Cochlea-Implantationen gibt. In ihrem Leben spielt das aber eine große Rolle, denn bei beiden wurde bilaterale neurosensorische Schwerhörigkeit diagnostiziert.. Und die einzige Möglichkeit, ihnen das Hören zu ermöglichen, war ein Cochlea-Implantat. Nur das Geld dafür hatten die Eltern nicht.

Die Prof. Ernst Lehnhardt Stiftung stand den Familien zur Seite und mit großzügiger Unterstützung der deutschen Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ konnte die notwendige Summe aufgebracht werden. Frau Dr. Lehnhardt organisierte für beide Kinder in Bischkek die Operationen, die am 24. Mai 2016 von Prof. Vladimir Fedoseev durchgeführt wurde, einem anerkannter Spezialisten für derartige Operationen, der extra aus Moskau eingeflogen wurde.

Beide Operationen verliefen überaus erfolgreich.

Für den nächsten Tag war ein Treffen mit weiteren betroffenen Eltern vorgesehen sowie ein paar erneute  Anpassungen bei Kindern, welchen die Stiftung schon früher zu einem CI verholfen hatte. Außerdem wurden in dieser Veranstaltung am 25. Mai Fragen besprochen, die für den Alltag nach einer Cochlea-Implantation wichtig sind. An dem Treffen nahmen auch der Cochlear Osteuropa-Manager Alexander Degtyarev teil sowie der Chirurg und Audiologe Dr.Vigen Bakhshinyan, der für die Anpassungen verantwortlich ist.

Vier Wochen nach den gelungenen Operationen, am 27. Juni  2016, nahm daher Dr Bakhshinyan an Chyngyz und Dastan die erste Anpassung vor.. Das war für alle Beteiligten ein wichtiger Tag und die Freude bei den Eltern war sehr groß, als sie die positive Resonanz ihrer Kinder bei dieser Anpassung erlebten.

Die glücklichen Eltern haben uns danach Bilder und Danksagungen zugeschickt, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.

Wir hoffen, dass sowohl die Eltern als auch die Jungen Freunde werden, um gemeinsam eine neue Welt der Klänge zu erkunden.

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Aydina geht es gut

AjdinaAutorin: Nazgul Tolopbergenova, Mutter von Aydina, Dezember 2015

Aydina geht es gut. Sie miaut, wenn sie eine Katze sieht, und bellt, wenn sie einen Hund sieht. „Mama, da ist das Auto“, sagt sie. „Da Mama, da Papa, da Brei, da Suppe“ und so weiter. Unser Österreicher (Anm.: jüngster Sohn) hat angefangen, Kniereiter-Spiele zu machen. Er liebt seinen Papa sehr. Er wartet auf ihn, wenn er von der Arbeit kommt, und sobald es an der Tür klingelt, rennt Aydina, um sie zu öffnen, und der Österreicher läuft auch auf seinem Lauflerngerät hinterher. So begrüßen sie ihren Papa.

Unsere GeschichteНаша историяUnsere Geschichte

von Nazgul Tolopopbergeneva, Mutter von Ajdina, Dezember 2014

IMG_0362Ajdina ist unsere erste Freude, auf die wir so lange gewartet haben. Als sie geboren wurde, waren wir sehr glücklich. Aber unser Glück hielt nicht lange an. Als Ajdina eineinhalb Jahre alt war, begannen wir uns Sorgen zu machen, warum unser Töchterchen nicht spricht. Nachdem wir mit den Ärzten gesprochen hatten, erfuhren wir, dass Ajdina schwerhörig ist. Die Diagnose lautete: beidseitige neurosensorische Schwerhörigkeit des 4.Grades.

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Eine große Geschichte der kleinen Ajdina

Ajdina Bekbulatova aus Bishkek (Kirgistan) bekam ihr Cochlea Implantat in St.Pölten, Österreich.

Ajdina BekbulatovaAjdina war schon fast zwei Jahre alt als Mama Nazgul und Papa Kanat verstehen mussten, dass ihr erstgeborenes und lang ersehntes Kind an Taubheit grenzend schwerhörig sei. Nazgul erwartete ihr zweites Kind und haderte mit Gott: „Warum hat er gerade uns einen so schweren Schicksalsschlag zugemutet?“. Die Freude über die baldige Geburt des Geschwisterchens wich der überwältigenden Angst, auch dieses Kind könnte taub geboren werden. 

Schwere Zeiten für die Eltern

Vater Kanat und Mama Nazgul nahmen in dieser schweren Situation alle ihre Kräfte zusammen und unternahmen alles nur erdenkliche, um sich Informationen zu verschaffen und Hilfe zu suchen. Sie begriffen schnell, dass es ein Wettlauf mit der Zeit werden würde. Die Hörbehinderung von Ajdina hatten sie selbst und somit relativ spät erkannt. Ein neonatales Hörscreening wird in ihrem Heimatland nicht durchgeführt, die Qualität der Diagnostik ist nicht auf dem neuesten Stand und eine Versorgung mit einem Cochlea Implantat ist noch an keiner einzigen Klinik in Kirgistan möglich.

Die Eltern teilten sich die Aufgabe. Während Nazgul alle Quellen – vorwiegend im Internet – anzapfte und sich erkundigte, wo und zu welchen Preisen Cochlea Implantate eingesetzt werden, bemühte sich Kanat die erforderlichen finanziellen Mittel aufzutreiben. Zahlreiche Appelle an staatliche Stellen blieben unerhört. Kleinere Beträge kamen durch Spenden von Arbeitskollegen und Freunden zusammen. Um sicher zu gehen, dass die in Bishkek gestellte Diagnose auch richtig sei, reiste die Familie nach Kasachstan und erhielt an einer Privatklinik die Bestätigung und zugleich auch eine Preisvorstellung in der Größenordnung von US Dollar 35.000. Wie sollten sie diese Summe in absehbarer Zeit aufbringen? Kanat beschloss, ein Video über die Geschichte seiner Tochter zu produzieren und darzustellen, wie isoliert und wie gefährdet die Kleine ist und bleiben wird, wenn sie nicht durch ein CI den Zugang zum Hören bekommen kann. Dieses Video stellte er ins Internet und die Resonanz war sehr erfreulich. Es kamen 20.000 Dollar im Verlauf von zwei Jahren zusammen, aber es reichte noch lange nicht und die Zeit lief davon.

Ein Hoffnungsstrahl

Anastasiia Flanagan aus Kiew – eine Mitarbeiterin der Prof. Ernst Lehnhardt-Stiftung – sah das Video und ergriff die Initiative. Sie kontaktierte die Familie und stellte den ersten Kontakt mit mir her. Wir sprachen dann regelmäßig per Skype und diskutierten mehrere Alternativen. Zusätzliche finanzielle Mittel mussten aufgebracht werden, damit auch die Langzeitversorgung von Ajdina sichergestellt werden konnte.

Klaus Gollnick– Mitglied im Vorstand der Lehnhardt-Stiftung - sprach mit der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ über eine Kostenbeteiligung und war erfolgreich! Lilit Abrahamyan aus Armenien – eine weitere Mitstreiterin in unserem kleinen Team der Stiftung – half von Yerevan aus der Familie bei der Beschaffung aller notwendigen Unterlagen.

Der Traum einer baldigen Versorgung von Ajdina wurde schlagartig wahr, als Prof. Dr. Georg Sprinzl spontan in einem Telefonat mit mir zusagte, die Operation an seinem Klinikum in St. Pölten kostenlos durchzuführen. Nun galt es so schnell wie möglich Visa zu besorgen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zeigte sich die deutsche Botschaft kooperativ, zunächst wurden Visa für Ajdina und ihre Mutter ausgestellt, in einem zweiten „Anlauf“ dann auch für den Vater und die kleine Schwester Zhanyl.

20141011145705-400x711Lilit half bei der Beschaffung der Flugtickets und am Sonntag 28. September trat die ganze Familie ihre erste Reise ins Ausland an. Nach der Landung in Wien holte sie ein russisch-sprachiger Fahrer ab, um sie nach St. Pölten zu bringen. Dort hatte der Besitzer der Pension Elisabeth zugesagt, die Familie zu einem sehr günstigen Preis zu beherbergen. Sie wohnten in zwei Zimmern und konnten sich in einer kleinen Küche ihr eigenes Essen zubereiten. Die Tage vor der Operation waren dann für uns alle noch ziemlich aufregend. Eine Reihe von Untersuchungen mussten durchgeführt und die Eltern über alle Risiken der Operation aufgeklärt werden (etwas, woran Eltern aus russisch-sprachigen Ländern nicht gewöhnt sind). Dabei war dann überaus wichtig, für eine genaue Übersetzung zu sorgen, da wie zu erwarten an dem Klinikum in St. Pölten niemand Russisch spricht.

Der Weg in die Welt des Hörens ist frei

Am 1. Oktober – 9 Tage vor dem 5. Geburtstag von Ajdina – war es dann so weit. Prof. Sprinzl, assistiert von seiner bezaubernden und kompetenten Oberärztin Dr. Astrid Wolf-Magele, führte die Operation durch. Er tat dies mit einer beeindruckenden Sicherheit und nach weniger als einer Stunde konnten wir davon überzeugt sein: Ajdina hört!

Das zeigten die noch im Operationssaal durchgeführten Messungen. Die strahlenden Augen der Mutter, als Prof. Sprinzl ihr die Nachricht überbrachte, werden wir nicht vergessen.

Ajdina erholte sich binnen eines Tages und spielte schon wieder mit ihrer Schwester. Am übernächsten Tag durften sie bereits wieder in die Pension und blieben dort, bis zwei Wochen später die Erstanpassung des Sprachprozessors angesetzt wurde.IMG_0331-1024x666

Es traf sich gut, dass ich gerade von einer Reise nach Armenien wieder nach Wien zurückkam, und so ließ ich es mir nicht nehmen, bei der Erstanpassung dabei zu sein.

Wir haben uns so viel zu sagen

Ajdina ist die erste kleine CI Trägerin in ihrem Heimatland, die mit der neuesten Generation an Sprachprozessoren, dem Nucleus 6 der Firma Cochlear versorgt ist. Das Team in St.Pölten ist damit natürlich schon vertraut und hat das „Einschalten“ routiniert und geschickt gestaltet. Dennoch hatte es Ajdina zunächst einmal gar nicht gefallen. Sie fing laut zu weinen an und klammerte sich an ihre Mutter, die sie zu trösten versuchte.

IMG_0354-1024x682Das aber gelang Zhanyl. Sie schien die Situation zu verstehen. Wie sie ihrer älteren Schwester klar machte, dass sie keinen Grund zum Weinen sondern zur Freude hatte, war fast unglaublich. Mit ihrem kleinen Zeigefinger stupste sie Ajdina an „Du“, ihren Zeige- und Mittelfinger führte sie dann von ihren Augen über ihre Wangen „Weinen“, mit ihrer ganzen kleinen Hand winkte sie ab „Nicht“, griff sich an ihr Ohr „Hören“ und hielt ihren Daumen hoch „Cool“! Ajdina schaute erstaunt und hörte auf zu weinen. Die weitere Anpassung verlief dann ohne Probleme.

Nun verstand ich erst richtig, was mir die Mutter Nazgul erzählt hatte. Als sie mit Zhanyl schwanger ging und die Taubheit von Ajdina klar wurde, war sie fast unglücklich, ein zweites Kind zu erwarten. Schon bald aber war sie überglücklich, war Zhanyl doch die beste und einzige Freundin von Ajdina geworden.

Im fernen Land wie zu Hause

Das gesamte Team am Klinikum war außergewöhnlich hilfreich und freute sich über die Familie, die sie anfänglich für Chinesen hielten. Trotz der Sprachbarriere, vor der die Familie Bekbulatov vor Antritt der Reise die größte Angst hatte, fühlten sie sich angenommen und geborgen. Dass wir vor der Abreise in der Pension Elisabeth noch einen Landsmann von ihnen kennenlernen durften, der regelmäßig von Wien nach Kirgistan reist, war ein Glückstreffer.

Für die Nachsorge der kleinen Ajdina ist gesorgt und sie zeigt schon erste Fortschritte. Wir sprechen mindestens wöchentlich im Skype, sie artikuliert bereits ihre ersten Worte und die nächste Anpassung ist auch schon geplant.

Dr. Dr. h.c. Monika Lehnhardt-Goriany November 2014